Mein irisches Tagebuch – Tag 2

  Was für eine Nacht. Das Bett ist ist so durchgelegen, dass ich jede (!) Sprungfeder gespürt habe. Drehte ich mich, bohrte sich eine neue Feder in meinem Körper. So konnte ich mir aber den schönen Sonnenaufgang über Kilkenny ansehen. Im Bad war es nicht angenehmer. Ich habe ein Zimmer für Rollstuhlfahrer bekommen. Ins Bad wäre man mit dem Rollstuhl gekommen, aber vorher nicht ins Zimmer. Irgendetwas wird man sich dabei gedacht haben. Hoffe ich. Die Dusche selbst ist eine eigenwillige Konstruktion und der Duschkopf hat in seinem letzten Leben Ausdruckstanz gemacht. Ende der Geschichte ist, dass ich das komplette Bad unter Wasser gesetzt habe und es nicht viel gefehlt hat, dass das angrenzende Zimmer etwas davon abbekommen hat. Das anschließende Irish Breakfast hat mich die Sintflut vergessen lassen. 

Ein Bier, das ich sehr gerne trinke, ist das Smithwicks Red Ale. Was mir überhaupt nicht klar war, dass der Ursprung des Smithwicks in Kilkenny ist. Einen Flyer im Hotel habe ich gesehen und realisiert, dass das Smithwicks Expirience nur wenige Meter vom Hotel entfernt sind. Bis zur Abfahrt meines Zuges um 11.41 Uhr hatte ich noch zwei Stunden, so bin ich zum alten Brauereigelände gegangen. Leider würde das Museum erst um 11 Uhr öffnen, sagte man mir, man würde aber für mich den Shop eher aufmachen. So war ich shoppen und habe mit dem Verkäufer ein nettes Gespräch geführt. Er fragte mich, wo es mich heute hinzieht und ich sagte ihm Cork. Er hat mir in Cork den Pub empfohlen, da er dort sieben Jahre selbst gewohnt hat, den ich mir eh ausgesucht habe. 

  Wenn ich etwas festgestellt habe in den letzten zwei Tagen, dann dass das Zugfahren in Irland kommunikativ ist. Ich selber bin nicht von irgendwelchen Menschen zugequatscht worden, aber in den Zügen ist sehr viel Leben. Meine Route führte mich von Kilkenny über Kildare und Portlaoise nach Cork. So richtig habe ich das System noch nicht verstanden, wann von welchem Gleis welcher Zug ab fährt. Auf den Fahrplänen ist das nämlich nicht zu erkennen. Aber wenn sich in einer meiner Pupillen ein Fragezeichen langsam zu bilden wagt, steht immer ein freundlicher Mensch in der Nähe und versucht zu helfen. 

Das war heute für meine Tour die längste Bahnfahrt. Das hatte nichts mit der Entfernung zu tun, eher mit dem schlecht ausgebauten Schienennetz. 

Cork selbst könnte auch Wuppertal sein. Viele Treppen und Berge. An manchen Stellen hätte man auch einen Remake der „Straßen von San Francisco“ drehen können. Untergekommen bin ich in einem Hostel. Zwar ein Einzelzimmer, aber das Bad könnte auch das Klo einer Bahnhofskneipe sein. Beim kurzen Probeliegen fiel mir auf, dass die Matratze auch durchgelegen ist. Die Sprungfedern sind nur feiner. 

Auf dem Weg ins Städtchen bin ich über einen Pub gestolpert. An der Hauswand stand in großen Buchstaben „Craft Beer“ und ich wurde neugierig. Ich habe mir ein Kinsale Pale Ale bestellt, aber es beeindruckte mich nicht. Es verwässerte im Abgang. Schade, ich wanderte weiter. 

  Und gewandert bin ich zur Franciscan Well Brewery. Dem Grund meines Aufenthalts in Cork. Bei meinem Aufenthalt im Februar in Dublin habe ich das Chieftian IPA von Franciscan Well getrunken und habe meine Frau damit genervt, es sei das beste Bier meines Lebens gewesen. Das habe ich direkt bestellt und war beeindruckt. Der Geruch verspricht nicht viel. Aber dann kommt das bernsteinfarbende Bier mit einer Hopfenbombe daher, Grapefruit entfaltet sich. Je länger ich das IPA auf der Zunge balanciere, schmecke ich immer mehr Früchte. Und im Hintergrund ist es weiterhin schön bitter. Anschließend habe ich das Rebel Red probiert, aber das hatte keine Chance. Das Chieftian IPA hat meinen Geschmack so sehr beeinflusst, dass ich nichts mehr herausschmecken konnte. 

Beeindruckt war ich aber auch von der Brauerei selbst. Es hat einen urgemütlichen Biergarten und zwei Jungs backen dort in ihrem Steinofen Pizza. Ich habe eine bestellt und befand mich im Pizzahimmel. Ein dünner Teig und nicht überladen belegt. 

Die beiden Häuser neben der Brauerei stehen zum Verkauf. Sollte ich bald im Lotto gewinnen, habe ich ein baldiges Ferienhaus. 

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